Hohenfelde

Abriss der Dorfgeschichte

 
1564
Die erste urkundliche Erwähnung gibt es 1564 in einem Brief von Kurfürsten Joachim an Maria, geb. Gräfin zu Regenstein, in dem aber noch nicht von einem Dorf die Rede ist, sondern nur von „Schäferei und Ackerhof des Hauses Vierraden auf dem hohen Felde“
 
1602-1618
Seit 1602 gibt es bereits „uf dem hohen Felde“ ein Vorwerk und eine Schäferei. Ein Landreiter berichtete 1608 „dass da selbst nur vier Kossäten angesessen seien, jedoch ein Vorwerk nebst Schäferei bestehe, welches dem Grafen zu Schwedt gehöre“.
 
Späteren Berichten zufolge lässt Graf Martin von Hohenstein (1569-1609).der bis zuseinem Tode im besitz der Herrschaft Schwedt/Vierraden ist, die vier Kossätenhöfe bauen, um Arbeitskräfte für das inzwischen auf 248 Morgen vergrößerte Vorwerk zu gewinnen. (Kossäten sind Höfe, die zur Nutzung überlassen werden ohne Eigentumsrechte und weder verpfändet noch vererbt werden können.)
Mit der Ansiedlung dieser Kossätn ist der erste Schritt für die Entfaltung des Ortes vom Vorwerk zum Dorf Hohenfelde gelegt. Die Höfe entstehen in unmittelbarer Nähe der Dorfteiche, wo sich noch heute die Höfe der vier alteingesessenen Bauern befinden.
Mehrere Generationen fleißiger Bauern und Handwerker lassen in harter Fronarbeit aus der Schäferei und den kleinen Ackerhöfen das Dorf Hohenfelde entstehen.
 
1618-1653
Mit dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges beginnen im Dorf große Not und Elend. Die Bevölkerung wird zum großen Teil Opfer von Hunger und Seuchen. Ein Bericht aus dem Jahre 1653 nennt vier wüste Kossätenhöfe. 
 
1696
Im Jahre 1696 sind alle vier Kossätenhofe wieder besetzt und im Dorf herrscht wieder Leben.
 
1775
Bis zur Jahrhundertwende gibt es eine schnelle Entwicklung, die auf eine intensive Bewirtschaftung des Vorwerks und den dadurch erhöhten Bedarf an Arbeitskräften zurückzuführen ist.
Die Zahl der Familien steigt von 10 auf 20 an.
Hohenfelde hat ein Vorwerk nebst Schäferei, 4 Kossätenhöfe, 7 Büdner, 12 Wohnhäuser, 69 Einwohner, 12 Feuerstellen 
 
1807-1812
Die Stein-Hardenbergschen Reformen, mit Ihrer Gesetzgebung bringen der Landbevölkerung die Befreiung von der Leibeigenschaft und der Erbpacht.
Die Hohenfelder Kossäten erhalten das Eigentumsrecht an ihren Höfen und werden frei von der Dienstbarkeit gegenüber ihrer Grundherrschaft.
 
1811
Es gibt in Hohenfelde 39 schulpflichtige Kinder und eineSchule
 
1812-1836
Das Gut Hohenfelde wird an den Amtmann Gaede verkauft
 
1817
gelangt es in den Besitz von Oberst Runkel
 
1829 
erwirbt Leutnant von Winterstein das Gut.
Das Gut wird nie vom Besitzer bewirtschaftet, sondern immer verpachtet.
 
1836-1845
Christian Fredrich Bunn kommt nach Hohenfelde. Er erwirbt hier ein eigenes Haus und eröffnet den „Krug“
Etwa um 1840 nimmt in Hohenfelde eine Ziegelei und eine Brennerei den Betrieb auf.
Neben der Schafzucht beginnt man auf dem Gut mit einer intensiven Ackerwirtschaqft um vorrangig Getreide und Kartoffeln für die Brennerei zu erzeugen.
 
1847
In der nacht vom 7. zum 8. Mai wird Hohenfelde von einer schweren Brandkatastrophe betroffen, die acht Gebäude vernichtet. Da die Bauern gut versichert waren, konnten sie durch die hohe Entschädigung die Gehöfte großzügiger wieder aufbauen als vorher.
 
1849
Eine Cholera-Epidemie, die durch das Land zieht, fordert in Hohenfelde 13 Todesopfer.
 
1865
Die Einwohnerzahl erreicht mit 250 Personen ihren Höhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt wohnen etwa 40 Familien im Ort. Es gibt eine Schule, 21 Wohnhäuser und 22 Wirtschaftsgebäude.
 
1900
Besonders für die Landwirtschaft sollte das neue Jahrhundert umwälzende Veränderungen auf dem Gebiet der Ökonomie, der Technik sowie der Arbeits-, Lebens- und Besitzverhältnisse bringen. Der bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzende Übergang von der Handarbeit zum Einsatz von Technik in der Landwirtschaft fand seinen Fortgang.
Die Dorfstraße in Hohenfelde hat endlich ein Kopfsteinpflaster erhalten.
 
1901 
Die Kirche wurde feierlich an die Gemeinde übergeben, die zum größten Teil aus Spenden finanziert wurde. Sie wurde von 1899 bis 1901 auf Initiative des Vierradener Pfarrers Erxleben gebaut.
 
1903
Der Lehrer Dogs, der wegen seiner harten Prügelstrafe bei den Kindern gefürchtet war, zog mit den Schulkindern in das neugebaute Schulgebäude in der Moritzstraße ein.
 
Weitere Neubauten waren entstanden: der Jungviehstall und der Schafstall sowie die beiden großen Scheunen, die den Gutshof nach Norden begrenzten.
 
1904
Im Jahre 1904 erwarb die Familie Dahms das Grundstück des Krügers Bunn und richtete dort, zusätzlich zur Gastwirtschaft, einen Kolonialwarenhandel und eine Bäckerei ein, die von August Dahms bis 1942 betrieben wurden.
 
1914 - 1921
Der Beginn des 1. Weltkrieges, am 2. August 1914, setzte dieser friedlichen Entwicklung ein Ende und hemmte auch das Wirtschaftsleben in Hohenfelde. Die Ziegelei stellte den Betrieb ein. Im Januar 1915 wurden Brot- und Melkkarten eingeführt.
Auch sieben Familien in Hohenfelde waren vom Verlust ihrer Angehörigen betroffen. Eine Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges befindet sich in der Kirche.
Die Bevölkerung ging in dieser Zeit auf 170 Einwohner im Jahre 1921 zurück, bedingt durch Geburtenrückgang, Kriegsopfer und Abwanderung in die Städte.
 
Das Handbuch für Grundbesitz nennt als Eigentümer die Gräfin von Redern auf Görlsdorf und Walter Heydemann als Pächter.
 
1922
Neuer und zugleich letzter Pächter des Gutes wurde in diesem Jahr Dr. Ullrich Randolf, der einen frischen Wind in den Gutsbetrieb brachte. Es gelang ihm in zehn Jahren aus dem Pachtbetrieb einen solchen Gewinn zu erwirtschaften, der es ihm ermöglichte 1932 ein eigenes Gut in Selz (Mecklenburg) zu erwerben. Wichtigste Einnahmequelle des Gutes war auch weiterhin die Brennerei. Für die Landarbeiterfamilien war aber der Tabakanbau von großer Bedeutung, da er für sie ein wichtiger Nebenerwerb war.
 
1925
Die Zahl der Einwohner ging auf 160 zurück.
 
1926
Es erfolgte der Anschluss des Dorfes an die Versorgung mit elektrischer Energie.
 
1928
Im Jahre 1928 erfolgte die Pflasterung der bis dahin noch als sandiger Feldweg bestehenden Landstraße zwischen der Auffahrt nach Hohenfelde und der Gemarkungsgrenze zu Blumenhagen entlang des Jagen 14 der Pommerschen Heide.
Die Gutsbezirke wurden aufgelöst und es erfolgte ihre Eingliederung in die schon bestehenden Gemeindebezirke mit dem Ziel, die Gemeinden leistungsfähiger zu machen und die Verwaltung zu vereinfachen. Somit erhielten alle Einwohner das Gemeindewahlrecht.
Die Pommersche Heide mit den Forsthäusern Gartzer Grenze, Grenzhaus und Wildbahn kam zu Hohenfelde. Der Gemeindebezirk vergrößerte sich dadurch um rd. 1.895 ha von 472,5 auf 2 367,5 ha.
Im gleichen Jahr wurde auch die Freiwillige Feuerwehr gebildet. Wehrleiter war der Gast- und Landwirt Gustav Kuschke, daneben fanden sich zwölf weitere Hohenfelder Männer zur Mitarbeit bereit. Ausgerüstet war die Wehr mit einer Spritze für Pferdeanspannung und Handbetrieb.
 
1939 – 1945
Bei der Volkszählung am 17.05.1939 hatte Hohenfelde 197 Einwohner. Die Gedenktafel in der Kirche erinnert an 24 gefallene Dorfbewohner.
Die Wohnverhältnisse wurden durch Baumaßnahmen der Fam. Randolph zwar verbessert, waren jedoch noch ziemlich beengt. Man hatte zwei neue Häuser errichtet (jetzt Dorfstr. 1 und Moritzstraße 3).
Im Februar 1945 ließ Herr Randolph die Familien mit Kleinkindern nach Fredersdorf in Sicherheit bringen, weil durch die Kämpfe an der Oder auch Hohenfelde unter Beschuss war.
 
1945
Der Krieg hatte auch in Hohenfelde seine Spuren hinterlassen. Vieles war zerstört und es gab fast kein Vieh mehr im Ort. Der Pachtvertrag der Fam. Randolph war auch ausgelaufen.
Eine Familie kam nach der anderen zurück sowie viele Flüchtlinge, die ihre Heimat verloren haben, kamen nach Hohenfelde und wurden hier ansässig.
Johannes Kundler wurde als erster Bürgermeister eingesetzt.
 
1946
Hohenfelde hatte wieder 270 Einwohner.
Im Zuge der Bodenreform wurden 1946 559 Hektar Land enteignet und den Siedlern Land, Wald, Vieh und Wiesen von Staat zugewiesen. 42 Siedlungsstücke wurden ausgemessen. Vermesser war ein Herr Moritz, nachdem die heutige Moritzstraße benannt wurde.
Am 1. Januar konnte nach der notdürftigen Reparatur der Schule der Unterricht wieder aufgenommen werden, wobei immer noch alle acht Jahrgänge in einem Raum unterrichtet wurden.
 
1948
In der Moritzstraße wurden die ersten Siedlungshäuser gebaut.
 
1949
Die Gemeindevertretung wurde gegründet.
 
1951
In diesem Jahr erfolgte die Zusammenlegung der Schulen mit dem Nachbarort zum Schulkombinat Kunow/Hohenfelde. Nun erhielt die Unterstufe 1. – 4 . Klasse ihren Unterricht in Hohenfelde und die älteren vier Jahrgänge wurden in Kunow zur Oberstufe zusammengefasst.
 
1952
Das Dorf erhält eine eigene Poststelle, die sich bis 1968 in der Wohnung des jeweiligen Poststellenleiters befand.
 
1956
Am 14.07.1956 gründeten 5 Bauern mit ihren Familien die LPG „Frohe Zukunft“ (Typ I), die im gleichen Jahr noch in Typ III umgewandelt wurde. Erster Vorsitzender war Botho Milleville (1956 – 1960).
 
1959/60
 
Erfolgte der erste Stallneubau, denn die Tiere waren bis dahin nur in Behelfsställe unterge-bracht. Es war ein Rinderoffenstall, der sich jedoch nicht bewährte.
Am 12.03.1960 wurde das Dorf Vollgenossenschaft, d.h. alle bis dahin noch landwirtschaft-lichen Einzelbetriebe waren in die Genossenschaft eingegliedert. Es bestanden 1960 eine LPG Typ III mit 60 Mitgliedern und 385 ha Land und eine LPG Typ I, bei der nur die Felder gemeinsam bewirtschaftet wurden, mit 16 Mitgliedern und 86 Hektar Land.
Auch eine Freiwillige Feuerwehr wird wieder aufgebaut, deren Wehrleiter zunächst Paul Schmidt ist.
 
1961 – 1969
Am 01.08.1961 wurde Herr Fiedler als Bürgermeister eingesetzt. In seiner Amtszeit wurden wichtige Baumaßnahmen durchgeführt.
 
1962
begannen die Bauarbeiten für eine zentrale Wasserleitung. Des Weiteren wurde durch Maurer der LPG das Feuerwehrhaus errichtet, welches bis heute in Betrieb ist. Im Frühjahr 1967 begann der Bau des Mehrzweckgebäudes, in dem dann das Gemeindebüro, die Post, der Kindergarten, eine LPG-Küche und ein Kulturraum untergebracht wurden.
 
1969
Herr Fiedler wird zur Kreisverwaltung abberufen und Herr Eberhard Barz wird neuer Bürgermeister.
Am 26. Juli wurde in einer Feierstunde das neue Mehrzweckgebäude seiner Bestimmung übergeben.
 
1972
Das Schulkombinat Kunow/Hohenfelde wurde aufgelöst. Seitdem werden alle Schüler mit dem Schulbus zur neugebauten Schule nach Vierraden gefahren, wo sie die zehn Klassen umfassende Zentrale Oberschule besuchen.
 
1973
In diesem Jahr wurde die LPG Typ I vollständig an die LPG Typ III angeschlossen.
Der Haupteingang zum Mehrzweckgebäude wurde mit einem Vorbau versehen, der als Buswartehalle diente.
 
1975 – 1978
Die Wirtschaft erforderte weitere Veränderungen. So wurden 1975 die LPG Hohenfelde und Kunow zusammengeschlossen. 1978 wurden der Feldbau und die Tierproduktion getrennt und die Pflanzenproduktion der in Vierraden gegründeten KAP angeschlossen.
 
1984
Es wurden in Hohenfelde zwei Wohnungen modernisiert, eine Wohnung für junge Eheleute ausgebaut, der Dorfteich entschlammt und der Kinderspielplatz neugestaltet.
 
1985/86
Wurde an der Dorfstraße ein Neubau für sechs Familien errichtet. Im Juli 1986 erfolgte die Schlüsselübergabe an die Mieter.
 
1991
Am 13.12.1991 wurde auf der Vollversammlung aus der LPG Hohenfelde/Kunow und Kummerow die Agrar PRODUKT GmbH gegründet, die in Kunow ansässig wurde. Die Schweinezucht, die anfänglich in Hohenfelde noch aufrechterhalten wurde, war unwirtschaftlich und kam 2002 völlig zum Erliegen.
 
1993
Hohenfelde hat 124 Einwohner
Die Landstraße von Blumenhagen wurde bis Kunow zu einer 6 Meter breiten 2-spurigen Autostraße ausgebaut.
Mit den Wahlen zur Gemeindevertretung im Dezember 1993 wurde Herr Fiedler wieder als Bürgermeister vorgeschlagen.
 
1994 – 1999
In Hohenfelde entstehen viele neue Eigenheime. Dadurch steigt die Zahl der Einwohner stetig an.
Die Gemeindevertretung beschließt am 5. März 1998 den Beitritt zum Fremdenverkehrts-verein. „Unteres Odertal“.
Am 01.08.1999 wurde mit dem Bau der Moritzstraße begonnen (Bitumenstraße statt Kopfsteinpflaster).
In der alten Konsumverkaufsstelle errichtet die Freiwillige Feuerwehr von Hohenfelde in Eigenleistung eine Schulungs- und Umkleideraum.
 
2000
Die Dorfkirche feiert ihr 100-jähriges Jubiläum.
 
2003
Der Ort wurde am 26. Oktober nach Schwedt/Oder eingemeindet. Mit dieser Eingliederung entfiel das Bürgermeisteramt. Im November wurde der Ortsbeirat Hohenfelde von den Einwohnern gewählt, der aus drei Personen besteht und von nun an nur noch ein Anhörungs-recht bei Entscheidungen der Stadtverwaltung über Belange unseres Ortsteiles hat.
Am 4. Juli gründete sich der Förderverein der FF Schwedt-Hohenfelde e.V.
 
2004
Im März hatte die Kirche endlich ihre restaurierte Bekrönung erhalten. Durch Spenden der Einwohner konnte der Stern, die Wetterfahne und die Kugel mit echtem Gold überzogen werden. In der Kugel befand sich ein alter 50-Pfennig-Schein und ein Schriftstück von Pastor Erxleben aus dem Jahre 1899.
 
2005
Die Einwohnerzahl ist mittlerweile auf 228 angestiegen.
Die im Jahre 1866 in Stettin gegossene Kirchenglocke konnte durch Spenden der Hohenfelder Bürger repariert und zusätzlich eine mechanische Läutanlage eingebaut werden. Täglich um 18.00 Uhr ertönt jetzt der Glockenklang.
Im März gründete sich der Hohenfelder Dorfverein e.V. mit zunächst 15 Mitgliedern.
 
 
Quellen:
Chronik Botho Milleville
2008 redationell bearbeitet
von Rita Feick